Erneuter Anstieg der spontanen Aktivität von nassen Lawinen

WETTER

Ab Samstag wurde ein erneuter Anstieg der Temperaturen registriert. Abbildung 1 zeigt die registrierten Temperaturen an der automatischen Wetterstation Viehbichl. Mit geringer Bewölkung wurde besonders am Montag eine hohe Globalstrahlung registriert. Abbildung 2 zeigt die registrierte Globalstrahlung an der automatischen Wetterstation Elewitschwand. Ab Donnerstag fiel vor allem entlang der Grenze zu Italien und Slowenien bis zu 70 mm Regen in allen Höhenlagen.

Abbildung 1: die registrierten Temperaturen an der automatischen Wetterstation Viehbichl auf 2407 m

Abbildung 2: die registrierte Globalstrahlung an der automatischen Wetterstation Elewitschwand auf 1996 m

VERLAUF DER GEFAHRENSTUFE

Abbildung 3 zeigt den zeitlichen Verlauf der ab 27. April ausgegebenen Gefahrenstufen in den Karnischen Alpen West & Lienzer Dolomiten und deren Seehöhen. Mit dem Regen stieg die Gefahr von nassen Lawinen ab Mittwoch deutlich an. Mit den milden Temperaturen und weniger Regen in den nordwestlichen Gebirgsgruppen wurde die Lawinengefahr dort konstant mit Gefahrenstufe 2 – mäßig bewertet.

Abbildung 3: Zeitlicher Verlauf der ab 27. April ausgegebenen Gefahrenstufen in den Karnischen Alpen West & Mitte sowie in den Linzer Dolomiten und deren Seehöhen

SCHNEEDECKE

Die Sonne führte zunächst am Montag an Sonnenhängen verbreitet zu einer Durchnässung der oberflächennahen Schneeschichten. Abbildung 4 zeigt die physikalische Modellierung der Schneedecke an einem Südhang auf 2470 m in der Goldberggruppe mit der Software SNOWPACK.

Abbildung 4: Der LWC-Index (Liquid Water Content) berechnet aus dem Schneedeckenmodell Snowpack an einem Südhang im Bereich des Hochtors in der Goldberggruppe

Die Wärme und diffuse Strahlung führte dann ab Dienstag Nachmittag verbreitet zu einer massiven Durchnässung der Schneedecke. Abbildung 5 zeigt die physikalische Modellierung der Schneedecke an einem Nordhang auf 2570 m in der Goldberggruppe mit der Software SNOWPACK. Dabei war auch in tiefen Schichten der Schneedecke ein massiver Anstieg des Wassergehalts zu beobachten. 

Abbildung 5: Der LWC-Index (Liquid Water Content) berechnet aus dem Schneedeckenmodell Snowpack an einem Nordhang im Bereich des Hochtors in der Goldberggruppe

EREIGNISSE

Mit den milden Temperaturen und der Sonneneinstrahlung nahm die spontane Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen deutlich zu. Besonders an Felswandfüßen konnten verbreitet zahlreiche meist kleine Lockerschneelawinen beobachtet werden. Zudem wurden auch einzelne spontane nasse Schneebrettlawinen registriert. Die Gleitschneelawinenaktivität nahm vor allem ab Mittwoch und Donnerstag etwas zu.

Zahlreiche nasse Lockerschneelawinen an Felswandfüßen in der Schobergruppe am Sonntag und Montag

Nasse Lockerschneelawinen in der Goldberggruppe am Sonntag und Montag

Nasse Lockerschneelawinen in der Goldberggruppe am Sonntag und Montag

Einzelne nasse Schneebrettlawinen und Gleitschneelawinen im Bereich Guttal in der Goldberggruppe am Dienstag und Mittwoch

AUSBLICK

Zahlreiche Einzugsgebiete sind bereits entladen. Aus noch nicht entladenen Einzugsgebieten sind jederzeit kleine und mittlere Gleitschneelawinen möglich. Vorsicht vor allem an Böschungen und Grashängen. Zonen mit Gleitschneerissen sollten möglichst gemieden werden. In den Gebieten mit Schneefall sind im felsdurchsetzten Steilgelände am Samstag vermehrt Lockerschneelawinen zu erwarten. Dies bei größeren Aufhellungen. Mit starkem Wind sind zudem im Hochgebirge einzelne trockene Schneebrettlawinen möglich, vereinzelt auch mittelgroße. Dies vor allem an Felswandfüßen und hinter Geländekanten.